Aktuelles-Wissen1 Min. Lesezeit

Honorar: Orientierungswert 2027 - Nur 2,2 Prozent mehr

Was bedeutet das für MFA?

Orientierungswert 2027: Nur 2,2 Prozent mehr – was bedeutet das für MFA?

Die Honorarverhandlungen für 2027 sind abgeschlossen: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband haben sich im Bewertungsausschuss auf eine Anhebung des Orientierungswerts um rund 2,2 Prozent geeinigt. Was zunächst nach einem soliden Plus klingt, bleibt deutlich hinter dem zurück, was die Ärzteseite für notwendig hielt – und das hat Folgen für den Praxisalltag und damit auch für Medizinische Fachangestellte (MFA). Wir haben die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst.

Was wurde beschlossen?

Der Bewertungsausschuss hat den Orientierungswert am 23. September 2026 auf **13,0207 Cent** festgesetzt. Derzeit liegt er bei 12,7404 Cent. Der neue Wert gilt ab dem **1. Januar 2027**.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes entspricht die Einigung einem Honorarplus von rund 1,1 Milliarden Euro. Insgesamt fließen damit 2027 mehr als 50 Milliarden Euro in die ambulante Versorgung.

Was ist der Orientierungswert überhaupt?

Der Orientierungswert legt fest, wie viel ein Punkt im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) in Euro wert ist. Jede Leistung, die eine Praxis bei gesetzlich Versicherten abrechnet, hat im EBM eine bestimmte Punktzahl. Multipliziert mit dem Orientierungswert ergibt sich daraus der Preis der Leistung. Steigt der Orientierungswert, werden also grundsätzlich alle Kassenleistungen etwas besser vergütet.

Bei der jährlichen Anpassung muss der Bewertungsausschuss unter anderem die Entwicklung der Investitions- und Betriebskosten der Praxen berücksichtigen. Zu diesen Betriebskosten zählen auch die Personalkosten – also die Gehälter der Praxisteams.

Weit auseinanderliegende Positionen

Zu Beginn der Verhandlungen im August lagen die Vorstellungen weit auseinander:

- **Angebot der Krankenkassen:** zunächst nur 0,66 Prozent

- **Forderung der KBV:** 4,33 Prozent – begründet mit der Kosten- und Inflationsentwicklung, um die Vergütung auf einem stabilen Preisniveau zu halten

- **Ergebnis:** rund 2,2 Prozent

Das Ergebnis liegt damit mehr als dreimal so hoch wie das ursprüngliche Kassenangebot, erreicht aber nur rund die Hälfte der KBV-Forderung. Zum Vergleich: Für 2026 war der Orientierungswert noch um 2,8 Prozent gestiegen, für 2025 um 3,85 Prozent.

Unterschiedliche Bewertungen

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen bewertet den Abschluss zurückhaltend. Man sei „an die äußerste Grenze des Machbaren gegangen“, das Ergebnis sei „wahrlich kein Jubelergebnis“. Die Alternative wäre laut Gassen ein Schiedsspruch mit ungewissem Ausgang gewesen.

Der GKV-Spitzenverband sieht das anders: Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, spricht trotz schwieriger Rahmenbedingungen von einem „fairen Honoraranstieg“.

Was bedeutet das für MFA?

Das MFA-Gehalt wird nicht direkt über den Orientierungswert festgelegt, sondern über den Gehaltstarifvertrag bzw. individuell mit der Praxis vereinbart. Trotzdem hängt beides eng zusammen: Aus den Honoraren finanzieren Praxen und MVZ ihre laufenden Kosten – und Personal ist dabei einer der größten Posten.

- **Weniger finanzieller Spielraum:** Wenn selbst die KBV 4,33 Prozent für nötig hält, um steigende Kosten und Inflation auszugleichen, bleibt bei 2,2 Prozent für viele Praxen wenig Luft – etwa für Gehaltserhöhungen über den Tarif hinaus, Zulagen oder zusätzliche Stellen.

- **Fachkräftemangel verschärft die Lage:** Gleichzeitig suchen viele Praxen und MVZ dringend qualifizierte MFA. Wer sein Team halten oder erweitern möchte, muss attraktiv bezahlen – auch wenn die Einnahmen langsamer steigen als die Kosten.

- **Wertschätzung zählt doppelt:** Gerade wenn der finanzielle Rahmen enger wird, gewinnen andere Faktoren an Bedeutung: gute Arbeitsorganisation, Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten und ein gutes Teamklima.

Für MFA lohnt es sich deshalb, die eigene Situation realistisch einzuschätzen – und im Gehaltsgespräch gut vorbereitet zu sein. Für Praxisinhaberinnen und -inhaber gilt umgekehrt: Wer gute MFA hat, sollte gerade jetzt in deren Bindung investieren.

Ausblick: Praxiskosten sollen genauer erfasst werden

Der Beschluss enthält außerdem einen Arbeitsauftrag an das Institut des Bewertungsausschusses. Bis zum **31. März 2027** soll das Verfahren zur Ermittlung der Praxiskosten je Leistungsmenge weiterentwickelt werden. Künftig sollen dabei auch Einnahmen aus Hybrid-DRG (§ 115f SGB V) und aus der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV, § 116b SGB V) einbezogen werden. Wie sich das auf künftige Honorarrunden auswirkt, bleibt abzuwarten.

Fazit

Die Einigung verhindert einen Schiedsspruch und bringt den Praxen mehr Geld – aber weniger, als zur Deckung der Kostensteigerungen nötig wäre. Für MFA heißt das: Die Nachfrage nach qualifizierten MFA bleibt hoch, doch der finanzielle Spielraum in vielen Praxen wird enger. Umso wichtiger ist es, dass Praxen und Teams offen über Wertschätzung, Entwicklung und Perspektiven sprechen.


**Quellen und weiterführende Informationen:**

- änd – Ärztenachrichtendienst: „Orientierungswert steigt um 2,2 Prozent – Gassen: ‚Kein Jubelergebnis‘“, 23.09.2026: [https://www.aend.de/article/242571](https://www.aend.de/article/242571)

- Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Hintergrund zu den Finanzierungsverhandlungen 2027: [https://www.kbv.de/praxis/tools-und-services/praxisnachrichten/2026/08-13/erste-verhandlungsrunde-zum-orientierungswert-2027-ohne-ergebnis](https://www.kbv.de/praxis/tools-und-services/praxisnachrichten/2026/08-13/erste-verhandlungsrunde-zum-orientierungswert-2027-ohne-ergebnis)

- Vergleichswerte 2025/2026: apotheke adhoc: [https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/11-milliarden-euro-mehr-fuer-aerzte/](https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/11-milliarden-euro-mehr-fuer-aerzte/)

*Ann-Sophie & Oliver – Dein Team der MFA-Börse | Der Klick zum Teamglück® | Für MFA – Mit MFA*